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Sonntag, 25. Oktober 2026

Konservativ? Liberal? Oder eher: Eng und weit?

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Egal ob weltlich oder kirchlich: Oft werden die Leute in konservativ oder liberal eingeteilt.

Während es in vielen anderen Konfessionen Landeskirchen gibt, die zum Teil ziemlich unterschiedlich sind oder sich einfach immer mehr Freikirchen bilden, die selbst bestimmen, ob diese eine Gemeinschaft liberal oder konservativ sein will, gibt es in der römisch-katholischen Kirche alles.  Und wie schon oben beschrieben, werden Gläubige in liberal und konservativ eingeteilt.

Heißt das nun automatisch, dass die Leute, die als konservativ wahrgenommen werden eng sind? Und diejenigen, die als liberal eingestuft sind eine weite Sicht haben?

Eng und weit, diese Begriffe habe ich von einem befreundeten Priester übernommen, der mal meinte, er teile die Menschen eben lieber in eng und weit, statt in konservativ und liberal ein. – Ich machte mir damals Gedanken um den Unterschied und muss ihm Recht geben

Ich denke, jeder weiß, wo er selbst steht, welche kirchenpolitischen Gruppen er/sie unterstützt. Da gibt es Maria 1.0 und Maria 2.0. Oder es gibt „Wir sind Kirche und das Forum deutscher Katholiken. Immer eine von beiden konservativ, eine von beiden liberal, wie man sagen würden.

Wenn ich jetzt jemand bin, der zum Beispiel Maria 1.0 gut findet, bin ich dann deshalb jemand, der eng ist? Interessanterweise gibt es Gläubige, die es so sehen. Doch da fehlt noch etwas:  Es kommt immer darauf an, ob ich den anderen dann grundsätzlich ablehne, wegen seiner kirchenpolitischen Ansichten nichts mehr mit der Person zu tun haben möchte und auch nicht bereit bin, gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Wer so denkt, der denkt tatsächlich eng. Und da ist es egal, ob die Person liberal oder konservativ ist.

Zwei Beispiele möchte ich dazu nennen:  Vor einiger Zeit bewarb sich jemand aus dem Verwandtenkreis um ein Ehrenamt in der Pfarrgemeinde. Er stellte sich im Pfarrbrief vor, machte darauf aufmerksam, wie wichtig es für ihn sei, liberal zu sein. Und dann meinte er, dass er in der Stadt, in der er vorher gelebt habe, auch die konservative Seite kennengelernt habe und dies ablehne. – Das ist eine Haltung, die von Enge geprägt ist.

Das zweite Beispiel betrifft den Erzbischof des Bistums, in dem ich wohne. Vor ein paar Tagen konnte ich in einer großen Tageszeitung ein Interview mit ihm lesen. Er selbst sprach davon, dass er konservativ sei. Und trotzdem gab er einer Person vor einiger Zeit die Missio canonica, die bei uns eine Oberministrantin war, inzwischen als Transperson, als Mann lebt.  Hier hat der Bischof eine Weite gezeigt.

 

 Wir sollten also viel weiter denken, als nur auf die kirchenpolitische Seite.

Übrigens hat es die verschiedenen Richtungen schon seit Beginn des Christentums gegeben, in der Bibel ist dazu immer wieder zu lesen.

 

Wir sollten uns also fragen, warum wir vielleicht Gläubige ablehnen, die doch eigentlich das gleiche Fundament haben.  Es ist mir auch schon passiert, dass Christen mir die Freundschaft kündigten, weil ich eine andere Einstellung habe. Das ist traurig und sollte nicht so sein.

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